Johann Wolfgang von Goethe
Biographie
Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm 1782 verliehen) kam am 28. August 1749 "mittags mit dem Glockenschlage zwölf" in Frankfurt am Main, als Sohn des Kaiserlichen Rats Johann Caspar Goethe und seiner Ehefrau Katharina Elisabeth, geborene Textor, zur Welt.
1765, mit 16 Jahren, studierte Goethe bereits in Leipzig Jura. Die kleinen Dichtwerke dieser Zeit zeugen ebenfalls vom Geist der Aufklärung.
Eine Krankheitspause zwang ihn 1768 zur Heimkehr.
1769 ging Goethe nach Straßburg, um seine Studien zu beenden. Dort lernte er den um fünf Jahre älteren Dichter Herder kennen, der ihn in eine neue Welt einführte. Er machte ihn auf die Ursprünglichkeit und Größe in den Werken Homers und Shakespeares und in der Volksdichtung aufmerksam.
Zur selben Zeit lernte er die Pfarrerstochter Friederike Brion kennen und schöpfte aus der Liebe zu ihr die ersten reifen Gedichte (u.a. "Willkommen und Abschied).
Was den Dichter ausmachte, fasste er damals in die Formel: "...ein warmes, ganz von einer Empfindung volles Herz.". Diese Haltung stand auch hinter den nun in rascher Folge erscheinenden Werken, unter denen vor allem das Drama "Götz" (1771)und der Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers" (1774) zu nennen sind. Frucht einer unerfüllten Liebe, wurde der "Werther" zum Kultbuch einer ganzen Generation und begründete den internationalen Ruhm seines Autors, der inzwischen bestallter Anwalt in Frankfurt und am Reichskammergericht in Wetzlar geworden war.
1775 folgte er einem Ruf des Herzogs Karl August nach Weimar, wo er Ministeraufgaben übernahm und in hoffnungsloser Liebe zu Charlotte von Stein entbrannte. Viele weitere Werke (u.a. Gedichte wie "An den Mond" oder "Wanderers Nachtlied", die Dramen "Egmont", "Torquato Tasso", "Iphigenie auf Tauris", "Urfaust" sowie der Romanstoff "Wilhelm Meister") reiften heran, fanden aber meist erst ihre Vollendung, als Goethe 1786 (bis 1788) aus der Weimarer Enge nach Italien "floh" und sich vom ungestümen Dichter der Geniezeit zum Klassiker wandelte.
Nach Weimar zurückgekehrt, verband er sich mit Christiane Vulpius, einem einfachen Mädchen, das er erst viele Jahre später heiratete. Aus dieser Verbindung entstammten fünf Kinder, von denen nur August überlebte.
Goethe sagte sich von allen Staatsämtern los, bis auf die Oberaufsicht der wissenschaftlichen Institute in Jena; außerdem übernahm er die Leitung des Hoftheaters. 1792 nahm Goethe zusammen mit dem Herzog am ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich teil. Seine Erlebnisse beschrieb er in der "Kampagne in Frankreich".
In der kommenden Zeit widmete er sich hauptsächlich naturwissenschaftlichen Studien.
Erst die Freundschaft zu Friedrich Schiller, dessen idealistische Ästhetik die dichterische Produktion Goethes nachhaltig beeinflusste, befruchtete wieder sein dichterisches Schaffen. In der Zusammenarbeit dieser beiden großen Dichter gipfelt das klassische Zeitalter. Gemeinsame Unternehmungen waren unter anderem die "Xenien" (1796) und die Zeitschrift "Musenalmanach".
Goethe schrieb nun "Wilhelm Meisters Lehrjahre", vor allem aber "Faust"(Erster Teil). Das Epos wurde erst drei Jahre nach Schillers Tod 1805 vollendet.
Goethe wurde mehr und mehr der "Olympier", zu dem die jungen Romantiker ebenso pilgerten wie die Großen der Zeit (Begegnung mit Napoleon 1808 in Erfurt) und der diese Epoche des Umbruchs Ausdruck gab in Werken wie "Die Wahlverwandtschaften" (Roman, 1809) oder "Dichtung und Wahrheit" (Erinnerungen, 1811-13). Auch das wichtige naturwissenschaftliche Werk "Die Farblehre" wurde in jenen Jahren niedergeschrieben.
Die bedeutenden Dichtungen der beiden letzten Jahrzehnte zeigen Goethe auf der Höhe seines Schaffens, und Liebe speiste auch sie: ob "Westöstlicher Divan" (1819), in dem auch Strophen seiner "Suleika" Marianne von Willemer stehen, "Marienbader Elegie" (1823/24) als Reflex der späten Neigung zur 17jährigen Ulrike von Levetzow oder "Faust- der Tragödie zweiter Teil" (1831), der mit dem Verspaar endet: "Das Ewigweibliche / Zieht uns hinan."
Am 22. März 1832 starb Goethe in Weimar.